Ich glaub noch ans Christkind - Kindheitserinnerungen

Hallo meine Lieben,
vor ein paar Wochen war ich in meinem schon oft erwähnten Lieblingsgartencenter. Dort fand ich ja die mir bis dato unbekannte Weihnachtsgurke für den Tannenbaum. Ihr erinnert euch sicher an meinen Post. Nun gab es dort auch allerhand andere zauberhafte Dinge. Unter anderem musste ein Kerzenständer in Form einer Glasflasche mit Aufdruck "All is merry and bright" mit und eine bezaubernde Christbaumkugel mit dem Aufdruck "Ich glaub noch ans Christkind". Ich fand sie einfach witzig, hatte keine Idee, was ich mit dieser Kugel eigentlich wollte.
Heute fiel sie mir wieder in die Hände und ich musste daran denken, wie es war, als ich noch wirklich ans Christkind geglaubt habe. O.K. erhrlich gesagt habe ich keine Erinnerung daran, ob und wie lange ich an den Nikolaus, Weihnachtsmann oder Christkind geglaubt habe aber ich erinnerte mich an meine Kindheit. Weihnachten haben wir immer bei meiner Tante, Onkel, meinen beiden Cousinen und meiner Oma verbracht. Sie wohnten im Chiemgau, also in Oberbayern. Jedes Jahr habe ich meine Weihnachtsferien mit meiner Familie dort verbracht, bis wir zu weit auseinander wohnten, bedingt durch eine berufliche Versetzung meines Vaters. Da war ich wohl 14 Jahre.



Ich erinnere mich, dass wir ein paar Tage vor Hl. Abend auf den Berg sind, zum sogenannten "Christkindl suchen" oder so ähnlich. Der Weg war verschneit und Fackeln dienten als Beleuchtung. Oben angekommen, bei einer kleinen Kapelle, hielt der Pfarrer eine kleine Ansprache, es gab Alphornbläser und eben eine leere Krippe. Das Christkind war noch nicht da. Für mich war das damals alles sehr beeindruckend. Die verschneite Berglandschaft, die Alphörner mit dem Echo, die Fackeln..........
Am Hl. Abend mussten meine Cousinen und ich nach dem Frühstück mit dem Schlitten aus dem Haus um meine Tante und meine Mutter nicht bei den Vorbereitungen zu stören. Da gab es kein Fernsehen und wir hatten zum Glück keine Handys. Wir liefen mit den Holzschlitten eine Ewigkeit den Berg rauf und waren in zehn Minuten wieder unten. Also wieder eine Ewigkeit rauf laufen und wieder ging`s ab ins Tal. So vergingen die Stunden. Mich beeindruckten immer diese riesigen Eiszapfen, die an Bergvorsprüngen hingen. Es sah aus wie in einem Märchen. Die kleineren Eiszapfen haben wir abgebrochen und als Eis gelutscht. Zur Dämmerung mussten wir wieder im Haus sein. Dann wurde gebadet, das beste Kleid angezogen und die Haare eingeflochten. Oft wollten wir durch`s Schlüsselloch schauen, aber die Tante hatte es von innen natürlich abgeklebt. Also vertrieben wir uns die Zeit damit, unsere Gedichte und Musikstücke zu proben. Und durch`s Haus zog ein köstlicher Geruch der Weihnachtsgans.


Eine gefühlte Ewigkeit später erklang das Glöckchen!!!!!!
Wir durften in die gute Stube und sahen zum ersten mal den Christbaum. Jedes Jahr sah er anders aus und meine Tante legte sehr viel Wert auf eine wundervoll geschmückte Stube. Vom Plattenspieler erklang Weihnachtsmusik ( da muss ich gerade selber lachen - Plattenspieler - oh nein! aber es war so...) und wir Kinder und die Väter, die auch nicht vorher rein durften, bestaunten alles. Dann wurde die Konservenmusik abgestellt und der besinnliche Teil begann. Wir Kinder trugen unsere Gedichte oder Musikstücke vor und waren genau so aufgeregt, wie wenn wir in einer vollen Kirche alles vortragen müssten. Die Knie zitterten und die Stimme gehorchte nicht immer. Und der Onkel nahm alles mit der Super 8 Kamera auf. Ein Monstrum, im Vergleich zu heutigen Kameras!!!!! Mein Vater war für die Fotos zuständig und es dauerte sehr lange, bis er das Objektiv richtig eingestellt hatte und unser Lachen wirkte durch das Dauergrinsen später auf den Fotos ziemlich künstlich :o))
Was mir immer in Erinnerung bleiben wird, sind die Lieder, die wir gemeinsam mehrstimmig gesungen haben. Meine Mutter, meine Cousinen und ich spielten alle ein Instrument als Begleitung. Gemeinsam Musizieren und Singen ist etwas wunderschönes. Leider wird es immer weniger.


Dann durften wir endlich die Geschenke aufmachen. Es war eine große Spannung in der Luft. Wochen vorher durften wir den Quellekatalog etc. wälzen und  aus der Spielzeugabteilung Dinge ankreuzen, die wir gerne hätten. Ich erinnere mich, dass ich mir in einem Jahr einen Chemiebaukasten, eine Lottozahlenkugel oder Puppe mit elektrischem Staubsauger gewünscht hatte. Jetzt ratet mal, was ich auspacken durfte???? Einen Chemiebauksten???? Nein, da waren meine Eltern doch skeptisch, ob das nicht nach hinten losgehen könnte, im wahrsten Sinne des Wortes.
Ich bekam natürlich die Puppe, die mir dann bei der Hausarbeit helfen konnte. Wir Kinder bekamen nur 2 x im Jahr etwas geschenkt. Zum Geburtstag und zu Weihnachten. Und so kannten wir auch noch wirkliche Vorfreude und Spannung. Der Abschluß für uns Kinder war dann das Abendessen. Gänsebraten mit Rotkraut und Knödeln. Meine Tante war eine ausgezeichnete Köchin. Und ihre Knödeln sahen alle gleich rund aus. Wie heute aus der Packung.
Hundemüde aber glücklich fielen wir dann ins Bett und freuten uns auf den nächsten Tag um unsere Spielsachen weiter ausprobieren zu können.

Ich würde meinen Kindern gerne solche Weihnachtserinnerungen  schenken, aber die Zeit hat sich geändert. Bei meiner Cousine ist es immer noch ähnlich, aber hier, wo ich wohne, gibt es kein solches Brauchtum, wie ich es kennen lernen durfte. Die Werbung suggeriert den Kindern, dass es an Weihnachten um die Geschenke geht. Erinnert ihr euch noch an den furchtbaren Werbeslogan vor einigen Jahren "Weihnachten wird unterm Baum entschieden!" ? Wer das beste Geschenk hinlegt hat gewonnen, oder was wollte man uns damit sagen?????
Erschreckend ist auch, dass Kinder und Jugendliche oftmals nicht mehr wissen, warum wir Weihnachten feiern. 
Trotzdem versuche ich jedes Jahr, meine Familie in Weihnachtsstimmung zu versetzen. Ja, meine Kinder wissen das wir Jesu Geburt feiern und warum er auf die Erde kam. Ansonsten wäre Weihnachten für mich am Sinn vorbei. Da kommt dann doch die Pastorentochter raus ;o))
Und Geschenkefluten haben wir auch abgeschafft. Ein großes Geschenk, was die Kinder sich wirklich wünschen gibt es, mehr nicht. Und eine Spende für einen guten Zweck gehört für uns auch dazu. Vom Überfluss etwas abgeben.
Nein, ich glaub nicht ans Christkind, das alle Jahre wieder kommt, aber Weihnachten weckt Kinheitserinnerungen an eine Welt, die es vielleicht so, wie ich es damals erlebt habe, nicht mehr geben wird. Und ja, wenn ich "Stille Nacht, heilige Nacht" höre und dazu Bilder sehe von verschneiten Berglandschaften, dann kann es gut sein, daß ich mir ein Tränchen wegwischen muss.
Am Wochenende haben wir eine kleine  Adventsfeier. Meine Kleine wird ein Klavierstück vortragen, das erste mal und sie freut sich schon drauf. Und ich als Mama natürlich auch. So kommen eben jedes Jahr, neue Erinnerungen dazu. Seien wir froh, wenn wir uns noch erinnern können. Und lasst uns unsere schönen Erinnerungen wie einen Schatz  im Herzen bewahren.

Liebste Grüße,

Dani


Kommentare:

  1. Was für schöne Erinnerungen!
    Bei uns zu Hause war und ist Weihnachten auch immer was ganz besonderes. Und das eben nicht wegen der Geschenke, sondern wegen der ganzen Stimmung. Vieleicht sollte ich besser Weihnachtszeit sagen, denn die ist für mich fast noch wichtiger als Weihnachten selber. Ich lasse es bewusst alles langsamer angehen, lasse mich nicht von diesem verrückten Stress anstecken und genieße lieber diese ganz besondere Zeit des Winters, mit den ganzen Lichtern und Glitzer überall.
    Liebe Grüße
    Jasmin

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  2. Liebe Dani,
    das ist ein sehr schöner Artikel, den ich vom ersten bis zum letzten Wort wirklich sehr gerne gelesen habe und auch bei mir wurden wieder Kindheitserinnerungen wach, es war doch schön. Heute ist es leider alles ganz anders, auch wenn wir in unserer Familie noch Traditionen hochhalten, inklusive Kirchenbesuch. Aber irgendwie hat das Fest schon etwas von seinem Glanz eingebüßt und ich habe auch den Eindruck, dass die Geschenke ganz Vorne stehen, für mich als Kind waren sie allerdings auch wichtig und ich habe auch das ganze Jahr darauf gewartet und Wochen vorher, wenn meine Eltern außer Haus waren und ich schon nicht mehr an das Christkind glaubte, das Haus auf den Kopf gestellt, ich konnte es kaum erwarten.
    Ich wünsche Dir einen wundervollen vierten Advent und eine besinnliche Zeit.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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  3. Liebe Dani,
    wunderschöne Kindheitserinnerungen hast du. Weihnachten in einer verschneiten Berglandschaft muss herrlich sein. Als Kind durfte ich auch erst zur Bescherung in die gute Stube. Heute, als Oma, stehen die Geschenke nicht mehr an erster Stelle. Da zählt eher das Zusammensein der Familie. Die Enkel bekommen jeder ein Geschenk. Die Kinderzimmer sind heute sowieso überfüllt.
    Ich wünsche dir einen schönen vierten Advent.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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  4. Liebe Dani,
    ich bin direkt wieder ein kleines Mädchen, genau so war es bei uns auch.
    Den Chemiekasten habe ich auch nicht bekommen, dafür damals eine Post.
    War auch ganz schön, nur als Einzelkind musste ich dann lange warten, bis nach den Feiertagen meine Freundinnen zum Spielen kamen.
    So eine Kugel habe ich auch und ja, ich versuche auch heute noch, ein kleines bisschen ans Christkind zu glauben...lach.
    Dir danke für den schönen Rückblick, ganz liebe Grüße
    Nicole

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  5. Liebe Dani,
    schön war es bei dir zu lesen und viele Erinnerungen kamen in mir hoch. Es war eine wunderschöne Zeit, als wir Kinder sein durften. Ganz ohne viel Einfluss der Medien und haben wir etwas vermisst? Heute denke ich oft, dass die Zeit irgendwie intensiver war. Wie auch immer, schön hast du es erzählt!
    Ich wünsche dir einen gemütlichen 4.Advent!
    Ganz liebe Grüße Andrea

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  6. Liebe Dani!
    Ach, wie schön sind deine Kindheitserinnerungen...☺
    Sowas vergisst man nicht und erzählt dies auch allzu gerne seinen Kindern.
    Ich hatte auch so festliche und glückliche Weihnachten in meiner Kindheit genossen.
    Die Weihnachtskugel ist übrigens allerliebst und ein hübsches Dekostück.
    Hab eine glückliche Zeit! Susanne

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  7. Liebe Dani,
    das sind wundervolle Erinnerungen, vieles davon wurde auch bei uns so zelebriert.
    Die Zeiten haben sich zwar geändert, dennoch habe ich es geschafft ein wenig von dem Zauber zu bewahren.
    Diese romantische Stimmung und die Zeit miteinander genießen wir sehr und darüber bin ich sehr glücklich.
    Einen schönen 4. Advent wünscht dir Heike

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  8. Liebe Dani, bei der Passage mit dem zugepickten Schlüsselloch musste ich schmunzeln. So ähnlich war es bei mir zu Hause auch. Es sind schon wunderschöne Erinnerungen. Ich möchte sie nicht missen, auch, wenn es heute ganz anders abläuft...

    lg kathrin

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  9. Liebe Dani,
    ich habe Dich, respektive Deinen Blog, erst jetzt entdeckt und bin bei Weihnachten gelandet...Und was ich hier lesen durfte, hat mich serh angesprochen, denn ich empfinde ähnlich...und die Erinnerungen an meine Kindheit und Advents- und Weihnachtszeit lassen ein GEfühl großer Wärme in mir aufkommen...und ich bin dankbar, wo wie auch Du es geschildert hast, dass wir uns an solch wundervolle Stunden erinnern dürfen! Es war eine prägende Zeit.
    Alles Liebe
    Heidi

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